HomeGlossary › Kaschmir

Kaschmir

MOSCHUS, AMBER, ANIMALISCHE NOTEN  /  moschusartig · pudrig · Komfort
Kaschmir
Kaschmir perfume ingredient
CategoryMOSCHUS, AMBER, ANIMALISCHE NOTEN
Subcategorymoschusartig · pudrig · Komfort
Origin
VolatilityBasisnote
BotanicalN/A (parfümkonzept)
AppearanceN/A – konzeptionelle Akkord (textile Note)
Odor StrengthMittel
Producing CountriesPremière Peau ist ein unabhängiges Haus der Haute Parfumerie mit Sitz in Paris, das Parfum als eine auf die Haut aufgetragene Substanz betrachtet, nicht als erzählerisches Objekt, nicht als soziales Accessoire, nicht als imaginäre Projektion. Première Peau verkauft keine Geschichten. Sie verkauft keine Erinnerungen. Sie verkauft keine Landschaften. Sie verkauft ein Verhalten des Duftes auf der Haut. Parfum ist kein Vorwand. Es ist keine Metapher. Es ist eine aktive, dichte, intentionale Substanz, die mit dem Körper reagiert. Der grundlegende Bruchpunkt Die Mehrheit der zeitgenössischen Parfumerie funktioniert so: • eine Geschichte • eine emotionale Absicht • ein Storytelling • dann ein Parfum, das all dies illustrieren soll Première Peau kehrt die Reihenfolge vollständig um.
PyramidBasis

Der Geruch eines getragenen Pullovers, der aus einer Zedernholzschublade gezogen wird – pudrig, warm, leicht animalisch, mit der matten Ruhe von Fasern, die über Nacht Körperwärme aufgenommen haben. Kaschmir in der Parfümerie ist ein konstruierter Akkord, kein Extrakt. Er wird aus Cashmeran (CAS 33704-61-9), makrozyklischen Moschusnoten und Laktonen aufgebaut, um textile Intimität auf Hautniveau zu vermitteln.

  1. Scent
  2. The Full Story
  3. Fun Fact
  4. Extraction & Chemistry
  5. In Perfumery

Scent

Matt, pudrig, warm. Die Eröffnung ist kaum wahrnehmbar – ein moschus-woody Dunst, der eher als Temperatur denn als Duft registriert wird. Keine scharfen Kanten, keine identifizierbaren Noten, nur diffuse Wärme, die vom Stoff aufsteigt. Während sich der Akkord entwickelt, tritt eine leichte würzig-blumige Süße aus dem Cashmeran-Kern hervor, begleitet von einer cremigen, lactonischen Weichheit. Die Wirkung ist intim: nur in Armlänge wahrnehmbar, niemals quer durch den Raum.

Im Vergleich zu Wildleder Akkorden ist Cashmere weniger lederartig und pudriger – Wildleder behält eine gegerbte Hautnote durch Isobutylchinolin, die Cashmere vollständig weglässt. Im Vergleich zu sauberen Moschus Akkorden ist Cashmere dichter und strukturierter, mit einer holzigen Dimension, die einfachen Moschusdüften fehlt. Der Gesamteindruck ist von etwas, das stundenlang auf der Haut getragen wird – nicht frisch aufgesprüht, sondern bewohnt.

Evolution over time

Immediately

Immediately

Kaum wahrnehmbar — ein moschus-holziger Schleier, der eher als Wärme denn als Duft wahrgenommen wird. Leicht würzige Cashmeran-Noten am Rand. Von Anfang an hautnah.
After a few hours

After a few hours

Die lactonische Cremigkeit tritt hervor. Puderig, weich, mit einem holzig-bernsteinfarbenen Unterton von Iso E Super oder Ambroxan. Der Akkord wirkt „getragen“ statt „gesprüht“ — textile Intimität.
After a few days

After a few days

Ein leiser, matter Rückstand auf dem Stoff. Makrozyklische Moschusse bleiben als saubere, fast unmerkliche Wärme erhalten. Die puderig-holzige Spur von Cashmeran verweilt am längsten.

The Full Story

Kaschmir in der Parfümerie ist ein Fantasy-/Konzeptakkord — eine Stoffmetapher für eine warme, pudrige, leicht animalisch-moschusartige Basis. Es wird keine Ziegenwolle extrahiert; Kaschmirwolle selbst riecht nach mildem Lanolin und leichtem Stallgeruch, von beidem findet sich nichts in der parfümeurischen 'Kaschmir'-Note. Der Akkord ruft das taktile und emotionale Gefühl hervor, einen getragenen Kaschmirpullover aus einer Zedernholzschublade zu ziehen.

Rekonstruktion

Cashmeran (CAS 33704-61-9, ein Givaudan-eigenes Produkt — IFF / Symrise haben ebenfalls Varianten) ist der Hauptbaustein [A]: ein polycyclisches Keton mit einem weichen moschusartig-holzigen-pudrigen Charakter, der dem Akkord seine prägende Signatur verleiht. Um Cashmeran herum bauen Parfümeure saubere Moschusnoten (Galaxolid oder einen der modernen makrozyklischen Moschusse), pudrigen Iris-Orris und einen Hauch von Zedernholz oder Sandelholz für Wärme auf.

Quellen & Anmerkungen

[A] Cashmeran — CAS 33704-61-9. Polycyclischer synthetischer moschusartig-holziger Eigenstoff. Das Molekül wurde nach der Metapher benannt, die es bedient.

Did You Know?

Did you know?
Kaschmirfaser enthält kein Lanolin – im Gegensatz zu Schafwolle, die 5–25 % Lanolin nach Gewicht enthält. Das Unterfell der Capra hircus Ziegen besteht fast ausschließlich aus Keratinprotein mit minimalen Oberflächenlipiden, weshalb rohes Kaschmir trocken und neutral riecht, statt fettig und tierisch. Der Parfümakkord, der nach der Faser benannt ist, wurde nie so konzipiert, dass er wie das tatsächliche Material riecht – er übersetzt das taktile Gefühl des Tragens von Kaschmir (Wärme, Weichheit, Nähe) in eine olfaktorische Sprache.

Extraction & Chemistry

Extraction method: Keine Extraktion. Cashmere ist ein Parfümkonzept, kein Rohstoff. Der Akkord wird vollständig aus synthetischen Aromastoffen zusammengesetzt. Kernmolekül: Cashmeran (6,7-Dihydro-1,1,2,3,3-pentamethyl-4(5H)-indanone, CAS 33704-61-9, MW 206,33). Synthetisiert durch Friedel-Crafts-Acylierung: Der industrielle Weg umfasst die Cyclisierung von 2,2,3-trimethylcyclopentanon-Derivaten zur Bildung des Indanon-Ringsystems. Die ursprüngliche Synthese von 1969 (US-Patent 3.773.836) verwendete eine aluminiumchlorid-katalysierte intramolekulare Acylierung. Unterstützende Moleküle: Ethylenbrassylat (makrozyklischer Diester, CAS 105-95-3), Gamma-Nonalacton (Lacton, CAS 104-61-0) und Iso E Super oder Ambroxan für holzig-bernsteinartige Verankerung. Alle Komponenten sind synthetisch.

Molecular FormulaC14H22O (Cashmeran, CAS 33704-61-9) + C15H26O4 (Ethylenglykolbrassylat, CAS 105-95-3) + C9H16O2 (Gamma-Nonalacton, CAS 104-61-0)
CAS NumberN/A (accord)
Botanical NameN/A (parfümkonzept)
IFRA StatusKomponentenabhängig. Cashmeran (CAS 33704-61-9) ist gemäß der 51. IFRA-Änderung nicht eingeschränkt oder verboten, wird jedoch unter der EU-CLP-Verordnung als H317 (Hautsensibilisierer) eingestuft. Ethylenbrassylat (CAS 105-95-3) ist uneingeschränkt erlaubt. Einzelne Akkordkomponenten unterliegen gegebenenfalls ihren eigenen IFRA-Grenzwerten.
SynonymsCACHEMIRE · CASHMERE-ACCORD · CASHMERE-MOSCHUS · TEXTILNOTE
Physical Properties
Odor StrengthMittel
AppearanceN/A – konzeptionelle Akkord (textile Note)

In Perfumery

Kaschmir fungiert als texturgebender Modifikator im Herz- bis Basisregister. Es liefert keine erkennbare „Note“ – es schafft Atmosphäre. In einer floralen Komposition mildert ein Kaschmir-Akkord die Süße und verleiht eine matte, eingetragene Qualität. In einer holzigen Basis bringt er pudrige Weichheit ein, die verhindert, dass Trockenheit streng wirkt. Der Akkord basiert auf Cashmeran (CAS 33704-61-9), einem polycyclischen Keton mit moschus-holzig-würzigem Charakter und einer Haltbarkeit von etwa 48 Stunden. Cashmeran wird durch makrocyclische Moschusse – Ethylenbrassylat (CAS 105-95-3), Muscenon (CAS 63314-79-4) oder Habanolid (CAS 34902-57-3) – für hautnah-warme Noten unterstützt sowie durch Lactone – Gamma-Nonalacton (CAS 104-61-0), Gamma-Decalacton (CAS 706-14-9) – für cremige, milchige Weichheit. Der Akkord verbindet eine saubere Moschus-Ästhetik mit holzig-ambernen Basen. Er erscheint in Hautduft- und „deine Haut, nur besser“-Kompositionen, bei denen die Projektion bewusst niedrig und die Haltbarkeit eher durch stille Beständigkeit als durch Ausstrahlung gemessen wird.

Vom Rohstoff zum Duft

Das ist, was daraus wird.