Extrait de parfum ist kein Marketingargument. Es ist eine technische Spezifikation: der Anteil des olfaktorischen Konzentrats, der in Alkohol gelöst ist. Dieser Anteil verändert alles — Haltbarkeit, Projektion, die tatsächlichen Kosten pro Anwendung.
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Was ist ein extrait de parfum?
Ein Duft, unabhängig von seiner Flasche oder seinem Preis, ist eine Mischung aus Alkohol und olfaktorischem Konzentrat. Was ein extrait von einem Eau de Toilette unterscheidet, ist das Verhältnis zwischen beiden.
Die Schwellenwerte sind standardisiert:
- Eau de toilette (EDT): 5 bis 10 % Konzentrat
- Eau de parfum (EDP): 10 bis 15 %
- Extrait de parfum: 15 bis 40 %
Ein extrait mit 20 % enthält also zwei- bis viermal mehr Rohstoffe als ein Eau de Toilette mit gleichem Volumen. Es geht nicht um Prestige. Es ist Chemie: Je höher die Konzentration, desto mehr kommen die schweren Moleküle — jene, die auf der Haut haften — zur Geltung. Die Basisnoten werden lesbar. Die Formel atmet anders.
Bei Premiere Peau sind alle sieben Düfte mit 20 % Konzentrat formuliert, mit einer Mazerationszeit von mindestens sechs bis zehn Wochen. Dieses Format ist keine kommerzielle Entscheidung. Es ist die Schwelle, bei der unsere Parfümeure der Meinung sind, dass die Formel das sagt, was sie sagen muss.
Der Unterschied wird gemessen, nicht erzählt
Der Preis eines Duftes steht nicht auf dem Etikett. Er wird pro Stunde Tragedauer berechnet.
Nehmen Sie eine 90-ml-Flasche. Ein Eau de Toilette mit 8 % hält durchschnittlich drei bis vier Stunden pro Anwendung. Man muss zwei- bis dreimal täglich nachlegen. Ein extrait mit 20 % hält acht bis zwölf Stunden. Eine einzige Anwendung reicht aus.
Die direkte Folge: Bei gleichem Volumen hält das extrait zwei- bis dreimal länger als das EDT. Die Kosten pro Stunde Tragedauer sind oft niedriger als bei einem Eau de Toilette, das zu einem niedrigeren Preis verkauft wird.
Ein 90-ml-Premiere Peau für 375 EUR, getragen acht Stunden am Tag, kostet etwa 0,50 EUR pro Stunde Tragedauer. Ein EDT einer Mainstream-Marke für 80 EUR bei 90 ml, getragen drei Stunden vor dem Nachlegen, kostet oft 0,60 EUR oder mehr. Das konzentrierteste Format ist auch das wirtschaftlichste — vorausgesetzt, man rechnet nach.
Warum Nischenhäuser das extrait wählen
Ein unabhängiges Haus hat nicht die Zwänge eines börsennotierten Konzerns. Kein Volumenziel von 50 Millionen Flaschen. Kein Marketingbrief, der einen „aufzugfreundlichen“ Sillage bei 5 % Konzentration verlangt. Unabhängigkeit erlaubt kompromisslose Formulierungen.
Die vier Parfümeure, die für Premiere Peau komponieren, arbeiten ausschließlich im extrait. Claire Liégent (Takasago) zeichnet für vier der sieben Formeln verantwortlich. Florian Gallo und Grégoire Balleydier (DSM-Firmenich) jeweils für eine. Ugo Charron (MANE) vervollständigt die Kollektion.
Mit 20 % zu arbeiten bedeutet nicht einfach „mehr Duftstoff hinzuzufügen“. Die Formulierung ändert sich. Die Proportionen zwischen Kopf-, Herz- und Basisnoten werden neu kalibriert. Bestimmte Akkorde, die bei 10 % funktionieren, brechen bei 20 % zusammen. Andere, die bei niedriger Konzentration unmöglich sind, zeigen sich erst über 15 %. Der Parfümeur komponiert anders — es ist ein anderes Handwerk.
Die Materialien, die es nur bei 20 % gibt
Bestimmte Rohstoffe entfalten sich erst ab einer Konzentrationsschwelle. Das ist eine physikalisch-chemische Realität, kein Verkaufsargument.
Iris in Concrete-Form — nicht synthetische Iris, sondern der nach sechs Jahren Reifung im Boden extrahierte Concrete aus dem Rhizom — wird erst bei hoher Konzentration lesbar. Unter 15 % verschwinden seine erdigen und buttrigen Facetten unter dem Alkohol. In Doppel Dancers bildet die doppelte Iris (Pallida aus Frankreich und Florentina aus Italien) die Architektur der Formel.
Weihrauch in superkritischer Extraktion (SFE) aus Somalia verhält sich ähnlich. Bei niedriger Konzentration reduziert er sich auf eine generische rauchige Note. Bei 20 % entfalten sich seine harzigen und zitrischen Facetten über Stunden.
Safran in Essenz — aus Griechenland, verwendet in Insuline Safrine — benötigt ebenfalls eine konzentrierte Basis, damit seine lederartige und honigartige Facette über die Kopfnote hinaus bestehen bleibt. Haitianischer Vetiver in CO2-Extrakt und madagassische Planifolia-Vanille in SFE folgen derselben Logik: Es sind dichte Materialien, die Raum brauchen.
Sieben extraits, sieben Welten
Die Premiere Peau Kollektion umfasst sieben Düfte und ein Discovery Set mit sieben 2-ml-Proben. Jede Formel ist ein extrait mit 20 %, komponiert in Paris und abgefüllt in der Region Oise.
Insuline Safrine — Griechischer Safran, madagassische Vanille, marokkanische Bittermandel. Ein roher Orientaler, ohne Zuckerzusatz. Maximale Haltbarkeit.
Albâtre Sépia — Somali-Weihrauch, Tinte, Planifolia-Vanille. Weißer Trüffel und Tonkabohne schließen die Formel mit einem gedämpften Akkord ab.
Doppel Dancers — Doppelte Iris (Frankreich und Italien), gerösteter schwarzer Sesam, australisches Sandelholz. Die Haut als Thema.
Gravitas Capitale — Italienische Primofiore-Zitrone, Buddha’s Hand, Asphalt. Ein Eau de Cologne, neu interpretiert als extrait.
Nuit Élastique — Jasmin Sambac und Grandiflorum, schwarze Olive, Latex. Die nächtliche Blume bis zum Äußersten getrieben.
Rose Monotone — Rosenoxid, Litschi, haitianischer Vetiver. Ein mineralischer Florale, ohne Romantik.
Simili Mirage — Olibanum, Thymian, Kunstleder, Sumatranischer Benzoe. Der Macchia und die Wüste, ungefiltert.
Die gesamte Kollektion ist in 90 ml (375 EUR), 45 ml (290 EUR) und 2 ml Proben (15 EUR) erhältlich. Das Discovery Set vereint alle sieben für 60 EUR.
Weiterführend: Mehr lesen im Perfumery Journal