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Frankreich (Korsika), Tunesien, Marokko, Albanien, Türkei, Sardinien (Italien)
Pyramid
Herz
Zerdrückte grüne Blätter an einer sonnengewärmten Steinmauer. Kampferartig, aber nicht medizinisch – klarer als Eukalyptus, sanfter als Rosmarin, mit einer fruchtig-krautigen Süße darunter, die wie der gesamte Macchia in einem einzigen Atemzug riecht.
Eröffnung: scharf, kiefernartig, kampferartig — sauberer als Eukalyptus, weniger mentholhaltig. Eine grüne Transparenz, wie das Atmen durch ein zerdrücktes Blatt. Innerhalb von Minuten tritt Myrtenylacetat hervor: eine subtile fruchtig-krautige Süße, fast veilchenähnlich, die die kampferartige Schärfe mildert. Trockener als Lavendel, weniger anisartig als Basilikum, weniger harzig als Lorbeer. Die Basis ist ruhig — warm, leicht holzig, ein Geist des Grüns, das zuvor da war. Der Gesamteindruck ist der eines mediterranen Hügels: mineralische Hitze, aromatischer Busch, salziger Wind.
Myrte riecht grün und frisch, mit einer kampferartigen Transparenz, die gerade noch nicht medizinisch wirkt. Die Eröffnung ist kiefernartig und scharf – Alpha-Pinen und 1,8-Cineol (Eukalyptol) dominieren die ersten Sekunden – doch schnell tritt eine fruchtig-krautige Qualität hervor, die vom Myrtenylacetat stammt, dem Molekül, das Myrte von ihren stumpferen Verwandten unterscheidet. Der Effekt ist vielschichtig: eukalyptusähnliche Klarheit, ein Hauch von etwas fast Blumigem und ein trockener, harziger Abgang.
Es gibt zwei Chemotypen, die wichtig sind. Grüne Myrte – hauptsächlich korsisch und tunesisch – enthält viel Alpha-Pinen (48-60 %) und 1,8-Cineol (20-28 %), was ein schärferes, kampferartiges Öl ergibt. Rote Myrte – marokkanisch und albanisch – enthält mehr Myrtenylacetat (21-36 %), was ein weicheres, fruchtigeres, klareres Material liefert. Korsische und sardische Öle sind in der feinen Parfümerie besonders wegen ihres Gleichgewichts geschätzt.
Myrtus communis ist ein ausdauernder Strauch, der im Mittelmeerraum heimisch ist. Er wächst wild im Macchia – dem dichten, aromatischen Buschland Korsikas, Sardiniens, Tunesiens, Marokkos, der Türkei und Albaniens. Die Pflanze hat tiefe kulturelle Wurzeln: in der griechischen Tradition heilig für Aphrodite, eine der vier Arten im jüdischen Sukkot-Ritual und seit Jahrtausenden in mediterranen Hochzeitsbräuchen verwoben.
In der Parfümerie liefert Myrte eine mediterran-spezifische krautige Note – weniger generisch als Eukalyptus, weniger kulinarisch als Rosmarin, weniger streng als Zypresse. Sie wirkt wie Küstenluft, gefiltert durch aromatischen Busch. Das Öl liegt an der Schnittstelle von frischen und grünen Familien und ist nützlich in aromatischen Fougères, Kräuter-Kolognes und Kompositionen, die nach einem bestimmten Ort und nicht nach etwas Abstraktem riechen wollen.
Entdecken Sie alle sieben Extrakte im Discovery Set.
Jeder britische Brautstrauß bei königlichen Hochzeiten seit Mitte des 19. Jahrhunderts enthält einen Zweig von Myrte, der von einer einzigen Pflanze abstammt. Königin Victoria erhielt während eines Besuchs in Gotha, Deutschland, von der Großmutter von Prinz Albert einen kleinen Strauß mit Myrte. Sie pflanzte einen Steckling in Osborne House auf der Isle of Wight, wo der Strauch noch heute wächst. Zweige davon waren in den Brautsträußen von Königin Elisabeth II. (1947), Prinzessin Diana (1981), Catherine Middleton (2011) und Meghan Markle (2018) zu sehen.
Extraction & Chemistry
Extraction method: Dampfdestillation von Blättern und Zweigen des Myrtus communis. Der Ertrag variiert je nach Herkunft und Bedingungen: 0,2-0,5 % aus frischen Blättern (Literaturangaben bis zu 1,75 % bezogen auf das Trockengewicht). Optimale Bedingungen laut Taoudiat et al. (2020): 75 Minuten Destillation, 100 % Kesselbelegung, Blattpartikelgröße ca. 20 mm. Zwei Chemotypen produzieren chemisch unterschiedliche Öle: grüner Myrte (Korsika, Tunesien — Alpha-Pinen 48-60 %, 1,8-Cineol 20-28 %) und roter Myrte (Marokko, Albanien — Myrtenylacetat 21-36 %). Hauptproduktionsregionen: Korsika (Frankreich), Tunesien, Marokko, Albanien, Türkei.
Myrtenöl fungiert als frische, krautige Kopf- bis Herznote und verbindet grüne und aromatische Familien. Das 1,8-Cineol (CAS 470-82-6) sorgt für eine kampferartige Frische; Alpha-Pinen verleiht eine klare, harzige Note; Myrtenylacetat (CAS 1079-01-2) trägt die besondere fruchtig-krautige Qualität bei, die Myrte von generischen Eukalyptus-ähnlichen Materialien unterscheidet. Das Öl wirkt als Modifikator und Naturaliseur – es kann synthetische Frische mildern, aromatischen Akkorden geografische Spezifität verleihen und Zitrus-Kopfnote in krautige Herzen überleiten, ohne die Schärfe von Teebaum oder die Süße von Lavendel. Rote Myrte (Myrtenylacetat-Chemotyp, Marokko/Albanien) wird für feine Parfums bevorzugt; grüne Myrte (Cineol-Pinen-Chemotyp, Korsika/Tunesien) für funktionale und aromatische Kompositionen. Verwendet in krautigen Kölnischwassern, aromatischen Fougères, maskulinen Chypres und mediterran inspirierten Kompositionen.