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Wachsig, pudrig, veilchen-erdig. Der Geruch von Kaltcreme auf dem Schminktisch einer Großmutter – kosmetisch, wurzelig, leicht buttrig, mit einer kreidigen Trockenheit, die tagelang auf der Haut haftet.
Pudrig und violett-holzig an der Oberfläche, mit einem buttrig-fettigen Unterton, der ihn von iononbasierten Iris-Akkorden unterscheidet. Trockener als Veilchenblatt-Absolue, wärmer als Methylionon, erdiger als jede synthetische Iris-Molekül. Die wurzelige, fast karottenähnliche Basisnote offenbart den Rhizom-Ursprung. Eine kreidige, kosmetisch-pudrige Trockenheit bleibt durchgehend bestehen – nicht süß, nicht scharf, sondern leise beharrlich. Der Myristinsäure-Anteil verleiht eine wachsartige, hautähnliche Wärme, die reine Irone nicht besitzen.
Evolution over time
Immediately
Immediately
Wachsig, fett-butteriger Auftakt. Myristinsäure-Wärme dominiert zunächst. Veilchen-pudriger Irone-Charakter tritt innerhalb von Minuten hervor.
After a few hours
After a few hours
Pudrig-veilchenherz voll entwickelt. Erdige-wurzelige Untertöne steigen auf. Holzig-trocken, kosmetisch-pudrige Qualität. Die buttrige Note tritt zurück.
Orris Concrete ist das durch Dampfdestillation gewonnene Produkt aus gealterten Rhizomen von Iris pallida oder Iris germanica. Es ist bei Raumtemperatur halbfest — ein blassgelbes Wachs, das bei etwa 40–46 °C schmilzt — da etwa 60–85 % seiner Masse aus Myristinsäure und anderen gesättigten Fettsäuren besteht. Der aromatische Anteil macht nur 8–20 % des Materials aus: hauptsächlich cis-γ-Iron (30–40 % der gesamten Irone), cis-α-Iron (20–30 %) sowie kleinere Mengen an trans-α-Iron und β-Iron. Diese Irone tragen die pudrig-violett-holzige Signatur. Die Summenformel lautet C₁₄H₂₂O (MW 206,32), CAS 79-69-6 für die Iron-Mischung.
Die Rhizome werden nach 3–4 Jahren Wachstum geerntet, dann geschält, getrocknet und weitere 3–5 Jahre gelagert. Während dieser Reifung unterliegen iridale Triterpenoide (C₃₁-Verbindungen) einer langsamen oxidativen Zersetzung, die zur Spaltung und Bildung von Iron-Molekülen führt — den duftenden C₁₄-Ketonen. Frische Rhizome enthalten überhaupt keine Irone. Die gesamte Zeitspanne von der Pflanzung bis zum verwendbaren Material beträgt 6–8 Jahre, was teilweise die Kosten erklärt: 10.000–12.000 € pro Kilogramm für Concrete und bis zu 70.000 € pro Kilogramm für Orris Absolute (der alkoholgewaschene, fettfreie Konzentrat mit 55–85 % Iron-Gehalt).
Der Duft selbst liegt zwischen Veilchen und Wildleder. Trockener als Ionone, fetter als Veilchenblatt, mit einem erdigen-wurzeligen Unterton, den synthetische Alternativen nur schwer nachahmen können. Die pudrige Qualität ist besonders — nicht Talkum, nicht Reispuder, sondern eher vergleichbar mit dem Geruch alter Gesichtspuder-Kompressen. Die buttrige Note aus dem Myristinsäure-Anteil verleiht Wärme ohne Süße. Auf der Haut ist das Material hartnäckig: TGSC dokumentiert eine Substantivität von 296 Stunden bei 100 % Konzentration.
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Frische Irisrhizome sind geruchlos. Der violett-pudrige Duft entwickelt sich erst im Laufe mehrerer Jahre der Lagerung, wenn iridale Triterpenoide — große C₃₁-Moleküle ohne Duft — langsam oxidieren und in Irone, ein C₁₄-Keton, gespalten werden. Die Chemie wurde 1983 von Rautenstrauch und Ohloff aufgeklärt und löste ein Rätsel, das Chemiker seit Tiemanns erster Isolierung von Irone im Jahr 1893 verwirrte.
Extraction & Chemistry
Extraction method: Dampfdestillation (Hydrodestillation) von getrockneten, gealterten Rhizomen der Iris pallida oder Iris germanica. Die Rhizome werden 3–4 Jahre angebaut, geerntet, geschält, getrocknet und anschließend weitere 3–5 Jahre gelagert, um die oxidative Bildung von Ironen aus iridalen Triterpenoid-Vorstufen zu ermöglichen. Das Destillat erstarrt bei Raumtemperatur aufgrund des hohen Myristinsäuregehalts (60–85 %) und bildet eine wachsartige Masse – daher die Handelsnamen „Orrisbutter“ und „Orriskonkrete“. Ausbeute: 0,2–0,3 % aus getrockneten Rhizomen, das heißt etwa 500 kg gealterte Rhizome ergeben 1 kg Konkrete. Hauptproduktionsgebiete: Toskana, Italien (rund um Florenz – das historische Zentrum seit der Renaissance) und Marokko. Orris-Absolue, eine weitere Verfeinerung durch Alkoholwäsche zur Entfernung von Fettsäuren, konzentriert den Ironengehalt auf 55–85 % und kostet etwa 70.000 €/kg. Die Konkrete selbst wird zu 10.000–12.000 €/kg gehandelt.
Herz- bis Basisnoten in Iris-, pudrigen und hautnahen Kompositionen. Orris Concrete dient sowohl als charakteristischer Inhaltsstoff als auch als natürlicher Fixateur – der hohe Myristinsäuregehalt verankert flüchtige Kopfnote. In Chypre-Strukturen bildet es die pudrige Brücke zwischen Bergamotte und Eichenmoos. In hautnahen Kompositionen wirkt die buttrig-erdige Qualität als Wärme auf der Haut. Synthetische Alternativen existieren, doch keine reproduziert das vollständige Profil. Alpha-Isomethylionon (CAS 127-51-5) fängt die veilchen-pudrige Qualität ein. Methylionon gamma sorgt für einen klareren, transparenteren Iris-Effekt. Ionone – Alpha-, Beta- und Methylvarianten – bilden das Rückgrat synthetischer Iris-Akkorde, fehlen jedoch die fettig-wurzelige Basisnote des natürlichen Concretes.