Zwei Pflanzen, zwei Farben, zwei Düfte. Deutsches Kamillenöl ist durch Chamazulen blau und duftet heilkräuterig. Römische Kamille ist hellgelb, duftet nach grünen Äpfeln und warmem Heu. Die Kamille des Parfümeurs ist fast immer römisch.
Römische Kamille: warm, fruchtig, apfelig, mit einem krautigen Heunoten-Unterton. Süß, aber nicht im herkömmlichen floralen Sinn — eher Obstgarten als Garten. Die Angelatester verleihen ihr eine besondere fruchtig-säuerliche Frische. Deutsche Kamille: blauer, kräuteriger, medizinischer — schwer, tintenartig, mit der trockenen Bitterkeit getrockneter Kräuter und einer kampferähnlichen Tiefe. Das Chamazulen lässt sie fast wie blaue Tinte riechen, die sich in warmem Wasser auflöst. In der Parfümerie wird die römische Kamille wegen ihrer Weichheit und ihres fruchtigen Charakters bevorzugt.
Die fruchtige Helligkeit verblasst. Eine warme, heuähnliche, leicht kumarinartige Wärme bleibt. Sanft und krautig.
After a few days
After a few days
Mittlere Haltbarkeit — 4-6 Stunden auf der Haut. Ein schwacher, warmer, heu-süßer Nachklang bleibt. Die schwereren Ester überdauern die leichteren Terpene.
The Full Story
"Kamille" in der Parfümerie bezieht sich auf zwei botanisch unterschiedliche Pflanzen, die denselben Namen tragen, aber sehr unterschiedliche Öle produzieren. Römische Kamille (Chamaemelum nobile, syn. Anthemis nobilis) ist eine niedrig wachsende mehrjährige Pflanze aus Westeuropa. Deutsche Kamille (Matricaria chamomilla, syn. M. recutita) ist eine höhere einjährige Pflanze aus Osteuropa und Westasien. Die Öle sind nicht austauschbar.
Römisches Kamillenöl ist blassgelb und wird von Angelat- und Tiglatestern dominiert (Isobutylangelat, Isoamylangelat — bis zu 85 % des Öls). Diese Ester verleihen ihm eine warme, fruchtige, apfelähnliche Süße mit krautigen Untertönen. Es ist die Kamille der Parfümerie — eine warme, weiche, leicht fruchtige Blütennote, die in klassischen und modernen Kompositionen verwendet wird.
Deutsches Kamillenöl ist lebhaft blau, gefärbt durch Chamazulen — ein Sesquiterpen, das während der Dampfdestillation entsteht (es kommt nicht in der frischen Pflanze vor). Alpha-Bisabolol ist die andere Hauptkomponente. Der Duft ist krautiger, medizinischer, weniger fruchtig als der der römischen Kamille — er wirkt eher wie "Apotheke" als wie "Garten". Es wird mehr von Aromatherapeuten und Aromastoffchemikern geschätzt als von Parfümeuren.
In der feinen Parfümerie ist Kamille eine Herznote, die eine weiche, krautig-fruchtige Wärme hinzufügt, ohne mit stärkeren Blütendüften zu konkurrieren. Sie funktioniert in aromatischen, fougère- und kraut-grünen Kompositionen. Die apfelähnliche Qualität der römischen Kamille verbindet sie mit fruchtigen Akkorden, während ihr heuartiger Ausklang sie mit Coumarin- und Tonka-Noten verknüpft.
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Die blaue Farbe des deutschen Kamillenöls ist ein Artefakt des Destillationsprozesses. Chamazulen – das tiefblaue Sesquiterpen, das für die Farbe verantwortlich ist – kommt in der lebenden Pflanze nicht vor. Es entsteht bei der Wasserdampfdestillation aus der farblosen Vorstufe Matricin durch eine durch Hitze und Dampf angetriebene Decarboxylierungsreaktion.
Extraction & Chemistry
Extraction method: Wasserdampfdestillation von Blütenköpfen. Römische Kamille (Chamaemelum nobile): Ertrag etwa 0,5–1,5 % aus getrockneten Blüten. Das Öl ist blassgelb bis hellblau. Deutsche Kamille (Matricaria chamomilla): Ertrag ca. 0,2-0,4 %. Das Öl ist aufgrund von Chamazulen, das während des Destillationsprozesses entsteht (in der frischen Pflanze nicht vorhanden), tiefblau. Hauptproduktionsregionen: England und Frankreich (römisch), Ägypten, Ungarn und Deutschland (deutsch). Durch die CO2-Extraktion der deutschen Kamille bleibt der Bisabololgehalt erhalten, ohne dass Chamazulen entsteht.
Kamille (römisch) fungiert als Herznote und verleiht eine sanfte, krautig-fruchtige Wärme. Sie erscheint in Fougère- und aromatischen Kompositionen, wo ihr Apfel-Heu-Charakter Lavendel und Kumarin ergänzt. In der zeitgenössischen Verwendung wird Kamille eher als Modifikator denn als Hauptnote eingesetzt – kleine Dosen (0,5–2 %) fügen grünen, krautigen oder aromatischen Akkorden eine warme, fruchtige Natürlichkeit hinzu. Römische Kamille verbindet sich mit Lavendel, Muskatellersalbei, Bergamotte, Neroli und Rose. Das Öl ist aufgrund des geringen Ertrags relativ teuer, was seine Verwendung eher auf hochwertige Parfums als auf funktionale Produkte beschränkt.