Bitter, kampferartig und leicht giftig. Rainfarnöl hat eine pflanzliche Schärfe in seiner aggressivsten Form – näher an Wermut oder Beifuß als an Kamille, obwohl es ein botanischer Verwandter ist.
Bitterer Kampfer beim ersten Kontakt — scharf, krautig, fast lösemittelartig in seiner Intensität. Weniger süß als Kamille, weniger anisartig als Estragon, aggressiver als Muskatellersalbei. Die Mittelphase offenbart eine trockene, staubige Bitterkeit, ähnlich getrockneter Artemisia oder Wermut. Die Basis ist ruhig warm und kräuterig, mit einem harzigen Unterton, der an getrocknete Wildblumen erinnert, die in einem Buch gepresst wurden.
Evolution over time
Immediately
Immediately
Scharfer Kampfer-Kräuter-Knall — bitter, medizinisch, fast wie Wermut in der Intensität
After a few hours
After a few hours
Kampfer mildert, eine trockene, kräutergrüne Bitterkeit bleibt, schwach harzig
After a few days
After a few days
Leiser, trockener, krautiger Nachklang — staubig und warm, wie getrocknete Artemisia
Terroir & Origins
Indicative 2025 wholesale prices.
The Full Story
Wermutöl riecht nach destillierter Bitterkeit. Es öffnet sich mit einem scharfen, kampferartigen Ausbruch – näher an Wermut oder Beifuß als an seinem sanfteren Verwandten, der Kamille. Die Bitterkeit ist aggressiv, fast medizinisch, mit einer Qualität, die zwischen getrockneten Kräutern und Reinigungsmittel liegt.
Die Pflanze (Tanacetum vulgare) wächst wild in ganz Europa und gemäßigten Asien, eine gelb blühende mehrjährige Pflanze, die seit Jahrhunderten in der Einbalsamierung, als Insektenschutz und in der Volksmedizin verwendet wird. Das ätherische Öl wird durch Dampfdestillation aus den Blütenspitzen gewonnen und ergibt eine gelblich-orange Flüssigkeit, deren Zusammensetzung je nach Chemotyp stark variiert. Einige Populationen produzieren kampferdominierte Öle (bis zu 31 %), andere sind reich an Thujon (bis zu 34,5 %), und wieder andere konzentrieren sich auf trans-Chrysanthenylacetat (bis zu 76 %). Diese Inkonsistenz macht Wermutöl ohne Chargentests unzuverlässig.
In der Parfümerie ist Wermut eine Spurendosis-Zutat. Ein Bruchteil eines Prozents fügt Fougère- und Chypre-Strukturen eine bittere-grüne Schärfe hinzu – die krautige Note, die eine Komposition davor bewahrt, nur sauber oder seifig zu wirken. Es sollte nicht mit blauem Wermut (Tanacetum annuum) verwechselt werden, einer marokkanischen Art, die reich an Chamazulen ist und ein tiefblaues Öl mit einem viel süßeren, fruchtigeren Profil produziert. Gewöhnlicher Wermut ist das schwierige Geschwister: hart, medizinisch und potenziell gefährlich.
Rainfarn wurde früher zum Einbalsamieren verwendet – um Leichen gepackt, um Insekten abzuwehren und die Verwesung zu verlangsamen. Im mittelalterlichen England wurden zu Ostern Rainfarnkuchen gegessen, angeblich zum Gedenken an die bitteren Kräuter des Pessachfestes. Die Praxis wurde schließlich aufgegeben, wahrscheinlich weil Rainfarnöl akut giftig ist: Die Einnahme von nur 10 Tropfen führte bei Erwachsenen zum Tod.
Extraction & Chemistry
Extraction method: Wasserdampfdestillation der Blütenspitzen und oberirdischen Teile von Tanacetum vulgare. Das resultierende Öl ist gelblich-orange. Die chemische Zusammensetzung variiert je nach Chemotyp enorm: Kampfer-dominant (bis zu 31 %), Thujon-dominant (bis zu 34,5 %) oder Chrysanthenylacetat-dominant (bis zu 76 %). Die extreme Variabilität bedeutet, dass Parfümeure jede Charge testen müssen. Der Ertrag aus frischem Pflanzenmaterial beträgt ca. 0,1–0,3 %.
Eingeschränkt (enthält Thujon – reguliert durch IFRA und EU)
Synonyms
BITTERE KNÖPFE · GOLDENE KNÖPFE · KUHBITTER
Physical Properties
Odor Strength
Stark
Lasting Power
12 Stunden bei 100,00 %
Appearance
gelbe klare Flüssigkeit
Specific Gravity
0,92500 bis 0,93500 bei 15,00 °C.
Refractive Index
1,45700 bis 1,46200 bei 20,00 °C.
In Perfumery
Rainfarnöl (Tanacetum vulgare) ist ein spezieller Inhaltsstoff, der wegen seiner bitter-kampferartigen Wirkung in Kräuter- und Aromakompositionen sparsam verwendet wird. Es fungiert als Modifikator in Fougère- und Chypre-Strukturen und fügt ein scharfes, fast medizinisches Grün hinzu, das einen Akkord von sanfteren Kräuternoten wie Lavendel oder Muskatellersalbei trennt. Sein chemisches Profil konzentriert sich auf Thujon (sowohl Alpha- als auch Beta-Isomere) und Kampfer, mit trans-Chrysanthenylacetat als sekundärem Bestandteil. Der Thujongehalt variiert stark je nach Chemotyp – von unter 3 % bis über 34 % – was die Konsistenz von Charge zu Charge zu einer Herausforderung macht. Blauer Rainfarn (Tanacetum annuum), eine eigenständige Art aus Marokko, ist reich an Chamazulen und hat ein völlig anderes, süßeres Profil. In Lederakkorden kann der Rainfarn zusammen mit Birkenteer oder Bibergeil eine bittergrüne Schärfe verleihen. Aufgrund der Neurotoxizität von Thujon wird es immer in sehr niedrigen Dosen verwendet.